Worte sind Früchte,

die mir in die Hände fallen. Manchmal sind sie reif und duftend, manchmal springt die Schale bereits auf und lässt das Fruchtfleisch hervorquellen. Solche Früchte drängen mich, sie  nicht der Verwesung anheimfallen zu lassen. Es gibt welche, die dem äußeren Anschein nach verfault sind, unter der Schale aber verlockende Süße verbergen. Andere sind schön anzusehen, erweisen sich aber als ungenießbar und es genügt ein Anfassen oder ein unüberlegter Biss, um mir das Grauen ins Gesicht zu schreiben. 

Es gibt Früchte mit Kernen und welche mit Steinen. Immer muss ich auf der Hut sein. Ich muss mich vor Verwundungen schützen und ich will mir an ihnen keinen Zahn ausbeißen. Oder die samtene Haut verpasst mir eine Gänsehaut. Jede Frucht sagt mir, wie ich sie behandeln und pflegen soll, um ihr gerecht zu werden. Oft muss ich meine vorschnelle Begeisterung beiseiteschieben und mich zur Vorsicht zwingen. Es gibt nicht wenige Früchte, die giftig sind oder gefährliche Stacheln haben. Auch solchen komme ich nicht aus. Es  ist also wahrlich kein leichtes Geschäft, dem ich nachgehe. Manchmal kann ich die Frucht nehmen, wie sie ist, und manchmal ist es eine rechte Plackerei. Ein Granatapfel will anders geachtet werden als eine Weintraube, und das Weizenkorn verleiht dem Brot einen süßlicheren Geschmack als der aromatische, klebrige Roggen. Der Lederapfel entwickelt sich noch während der Lagerzeit und die zu früh vom Baum gefallene, grüne Walnuss ergibt in Alkohol eingelegt einen feinen Likör. 

Es gibt verwundbare Früchte, die ich nur mit Samthandschuhen anfasse, es gibt solche, die exotisch sind. Natürlich begegnen mir auch elende Geschöpfe, die ihre Kinderstube in einer Plantage hatten. Manchen wurde bei der Kreuzung Gewalt angetan und sie sind verkrüppelt, andere sind aus ihrem Paradies vertrieben und vom Aussterben bedroht.

Ich nehme jede einzelne Frucht in die Hand, schaue sie mir an, drehe sie, wende sie, und wenn wir miteinander Glück haben, finden meine Worte einen Treidelpfad, der uns ein Stückchen weiterbringt.