Da kommt das Wort Etrog daher

und ich weiß zuerst einmal gar nicht, was ich damit soll.

Um Verwirrungen vorzubeugen, weise ich darauf hin, dass ich nicht Ertrag, Betrag oder gar Betrug meine. Es geht mir um die Buchstabenfolge E T R O G. Schon viele Jahre, Jahrzehnte trage ich dieses Wort mit mir herum. Mit Abermillionen anderen Wörtern hatte ich inzwischen zu tun. Sie sind mir begegnet, haben sich mir kurzzeitig aufgezwungen und ich habe sie wieder vergessen. 

ETROG aber ist mir geblieben. Es schläft manchmal lange Zeit in mir und plötzlich taucht es wieder auf und will, dass ich mich mit ihm abgebe. Ich weiß nicht, woran das liegt. Es lässt mich einfach nicht in Ruhe..

Ich kenne die Bewandtnis, die es mit diesem Wort hat. Es bezeichnet die sog. Urzitrone, die in Kalabrien wächst. Sie ist größer als die Zitronen, die wir kennen. Ihre kräftig gelbe Schale ist vielfach gefältelt und wirkt knorrig. Angeblich macht man daraus das köstlichste Zitronat. Etrog ist also eine qualitativ hochwertige Zitronatzitrone. Ich muss gestehen, dass ich mein Wissen aus dem Internet habe. Ich war noch nie in Kalabrien und ich habe diese Frucht noch nie mit eigenen Augen gesehen. Ob das Zitronat, das ich schon gelegentlich gegessen habe, von dieser Zitronenart stammte, kann ich nicht sagen. 

Zum ersten Mal ist mir ETROG im Zusammenhang mit dem Judentum vor vielen Jahren begegnet. Viele Worte aus dieser Tradition sog ich immer schon einem Schwamm gleich auf. Ich ahne das Diffuse und nicht Greifbare in ihnen, das es zu hüten gilt. 

Juden binden den Etrog am Laubhüttenfest mit dem Palmzweig, dem Myrtenzweig und der Bachweide zum Feststrauß. Im Buch Levitikus 23, 40 ist die Anleitung dazu nachzulesen. Diese Tradition ist seit Jahrtausenden lebendig.

Was will dieses Wort von mir? Warum nistet es sich bei mir ein? ETROG

Ich schiebe das Wort im Kopf hin und her. Ich kaue darauf herum, um mir über unsere Beziehung zueinander klar zu werden. 

Etrog ist die Urzitrone, sie ist nicht veredelt, das ist auch die unumgängliche Voraussetzung, die sie koscher und für den rituellen Gebrauch verwendbar macht. Ursprünglich ist die Etrogpflanze in Indien beheimatet, über den heutigen Iran ist sie in den Mittelmeerraum gelangt. Der Etrog ist etwas ganz Spezielles. Man darf ihn nicht veredeln oder anderweitig manipulieren, wenn er seine Kraft bewahren soll. Eine reiche Tradition und ein umfangreiches Schrifttum umranken diese Pflanze. 

Ich kann mich nicht darüber hinwegsetzen. Ich muss all das zur Kenntnis nehmen. Zunächst war es nur das Wort Etrog, das sich bei mir eingenistet hat. Nach und nach ist die Mischpoche, die gesamte Sippschaft, nachgekommen, die auch eine Bleibe sucht und ich weise sie nicht ab. Der Etrog macht mir die Luke zu einer Welt auf, die mein Leben reich und schön macht. Etrog mahnt mich aber auch zur Wachsamkeit, zur Vorsicht, zum Respekt, zur Achtsamkeit.

Man nennt diese Frucht auch Adamsapfel. In ihn hat der erste Mensch gebissen und danach gingen ihm und seiner Frau die Augen auf und sie schämten sich ihrer Nacktheit, die ihnen bislang nicht bewusst gewesen war. So ist das mit dem Etrog, dessen Fruchtfleisch mikro ist und dessen dicke Schale in Zucker eingelegt so hervorragendes Zitronat ergibt.